Unternehmen: Trainer

Unternehmen: Trainer

 „Über Geld spricht man nicht, man hat es.“ Diese Redewendung kennt fast Jeder. Doch als Trainer in Deutschland sollte man dies tun.  Häufig wurde in dieser Zeitschrift schon über gute Trainer geschrieben, die trotz der Liebe zum Turnsport aus verschiedensten Gründen genau diesem den Rücken zudrehten und beruflich neue Wege einschlugen. Doch ich stelle mir dann immer die Frage, ob mich und meine Familie so ein Schritt glücklich machen würde. Nein würde es nicht, denn mein Herz liegt am Turnsport. Kunstturnen und Personal Training ist meine Leidenschaft, meine Passion, mein Beruf. Ich bin, aber nicht nur Trainer, sondern auch Unternehmer. Und für meine Arbeit berechne ich ein Honorar.

 

Einen "richtigen" Beruf ausüben

Seit ich 17 Jahre alt bin, habe ich beim Kunstturnteam Oberhausen langsam damit begonnen Kinder zu trainieren. Ich habe schnell gemerkt, dass ich dafür viel Talent von meinem Vater Siegfried Ingendorn mitbekommen habe. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, dass es mich mehr erfüllt als meine Aktivenzeit So ist es für mich eines der größten Erfolge bisher gewesen, Michael Donsbach zu fünf Deutschen Meisterschaften in der Jugend begleitet zu haben. Als Schüler und später Student stand für mich der finanzielle Rahmen als Trainer noch nicht so stark im Fokus. Irgendwie galt auch für mich damals noch der Glaube, dass ich nach Sportstudium und Ausbildung zum Physiotherapeuten ja in eine Festanstellung gehen sollte. Einen „richtigen“ Beruf ausüben und aus Leidenschaft als Trainer weiter fungiere. Doch schnell merkte ich, dass dieses Konzept nicht funktionierte. Nichts erfüllt mich so, wie mit anderen Menschen individuell an ihren Zielen zu arbeiten. Dieses Gefühl konnte mir mein Job als angestellter Physiotherapeut nie geben. Ich musste was ändern. Doch wovon sollte ich dann meine Unkosten finanzieren?

 

Keine Unterstützung durch die Verbände

Der Rheinische Turnerbund gehört sicherlich aus finanzieller Sicht zu den schwächsten Verbänden in Deutschland. Selbst mein Vater, der seit über 40 Jahren Trainer ist und dutzenden Meistertitel erreichte, wurde nie vom Verband finanziell mit einer Trainerstelle unterstützt. Schnell habe ich die Illusion aufgegeben, dass ich vom RTB jemals eine Stelle angeboten bekommen könnte. Und dies betrifft im Rheinland wahrlich nicht nur den Bereich Gerätturnen männlich. Dies ist kein Vorwurf. Wenn kein Geld da ist, kann man auch niemanden bezahlen. Doch eine größere Initiative für die Trainer ist leider auch nicht zu erkennen. Schade.

 

Geht man eine Verbandsstruktur höher, landet man schon beim Deutschen Turnerbund. Doch als kleinerer Leistungsstützpunkt in einem eher von den Wettkampergebnissen her uninteressanteren Verband, brauchte ich mit meinem Anliegen gar nicht erst kommen. Und da ich mich zu meiner Heimat sehr verbunden fühle, würde für mich ein Wechsel in einen Bundesstützpunkt ebenfalls nicht in Frage kommen. Nicht nur der geographische Wechsel ist für mich ein Ausschlusskriterium, sondern auch die vertraglichen Regelungen an solchen Bundesstützpunkten. Niedrige Löhne, ungeregelte Arbeitszeiten und meist zeitlich befristete Verträge. Dazu kommt noch, dass sich Trainer bei Kadertrainerseminaren einer Kritik aussetzen müssen, die einem ziemlich die Motivation nehmen kann. Erklärungsversuche oder Kritik seitens der Trainer werden zwar gehört, aber nicht verstanden und meist rigoros weiterverwiesen. Es wird an „die Ehre“ appelliert, für Deutsche Erfolge bei internationalen Wettkämpfen beteiligt zu sein und dies sollte doch über allem stehen. Entschuldigung, das ist in meinen Augen absurd und eingerostet wie ein 20 Jahre altes Fahrrad. Mit solchen Veranstaltungen schafft man alles, aber bestimmt keinen Trainernachwuchs in der heutigen Zeit.

 

Vorbild- Die Trainer aus den USA

Somit waren für mich der DTB und der RTB ad acta gelegt. Eines hat mich jedoch nie losgelassen und fasziniert mich immer wieder. Das „Gym“- System in der USA. In Amerika ist es fast normal, dass Eltern ihre Kinder bei privaten Turneinrichtungen anmelden und monatlich ein gewisses Honorar respektive einen Mitgliedsbeitrag bezahlen. Je nach Leistungsstand und Trainingstagen kann dieser nach oben bzw. unten variieren. Es sind Unternehmen, die sich selber tragen und unabhängig von Verbänden agieren. Yin Alvarez, Trainer von Danell Leyva, ist Gründer des Universal Gymnastics Inc. oder Nadia Comanechi, die zusammen mit ihrem Mann die Bart Conner Gymnastic Academy besitzt. Hier beträgt alleine für eine Vorschulgruppe bei zweimal wöchentlichen Training der Monatsbeitrag 103 US-$. Jetzt werden die Kritiker sagen, dass die USA ja auch ein ganz anderes System haben und diese Vereinsstruktur, wie wir sie in Deutschland kennen fehlen würde. Das stimmt, aber ist es deswegen falsch als Unternehmen anstatt als Verein umzudenken? Ist es verkehrt mal darüber nachzudenken alte Zöpfe abzuschneiden?

 

Ich glaube die Turntrainer in den USA haben eines gelernt. Sie wissen, dass ihre Arbeit Geld wert ist. Soviel Geld, das man davon leben und ein Turnzentrum finanzieren kann. Turnen bedeutet mehr als nur wenige Spitzenturner hervorzubringen. Die Breite an turninteressierten Kindern ist riesig. Auch andere Sportarten benötigen turnerische Fähigkeiten. Tanzen, Leichtathletik, Wasserspringen als Beispiele. Diese Sportler sind ebenfalls auf ein fachlich gutes Turntraining angewiesen. Zudem ist ein wichtiger pädagogischer Auftrag der Trainer nicht zu vergessen. Wir prägen die Kinder und ja, wir erziehen sie auch ein stückweit.

 

Ich finde dieses selbstbewusste Auftreten der Trainer in Amerika als Unternehmer bemerkenswert. Sie sind uns hier ein großes Stück voraus. Und der Erfolg der Turner/- innen aus den USA ist nicht nur ein Ergebnis aus der Quanität, sondern auch aufgrund der Qualität. Ein Trainer, der als Unternehmer denkt, arbeitet auch wie einer. Er opfert sich für seine Leidenschaft Turnen auf und pusht so mit seiner 100%igen Motivation seine Sportler/- innen zu Höchstleistungen. Und wenn ein talentiertes Kind potenzial hat es nach oben zu schaffen, dann sind die Eltern bereit mitzuziehen, auch finanziell.

 

Personal Training & Turnworkshops - Das ist mein Ding!

Natürlich ist dieses Modell nicht komplett auf die Strukturen in Deutschland übertragbar. Deswegen vergleiche ich mich auch gerne eher mit einem Tennis- oder Golflehrer. Diese arbeiten ebenfalls als Unternehmer, häufig innerhalb von Vereinen, und sie verlangen nicht wenig für ihre Trainerstunden. Wieso soll meine Arbeit nicht auch monetär entsprechende Würdigung finden? Ich leiste doch ebenfalls gute Arbeit. Für mich stand fest. Ich werde Unternehmer. Personal Training und Kunstturnen. Das ist mein Ding. Der Muskelfuchs war geboren. Ich bin noch Jungunternehmer, aber weiß wo ich hinwill und was ich kann. Dabei steht nicht nur das Turnen im Fokus. Auch „normale“ Menschen können mit mir ein hochwertiges und zielführendes Personal Training durchführen. Es macht mir Spaß, neben Leistungen im Spitzensport, auch mal alltägliche, bewegte Ziele erreichen zu dürfen. Nicht ohne Grund bin ich Sportwissenschaftler und Physiotherapeut geworden.

 

Neben dem täglichen Training mit meinen Turnern, die mit der kommenden Zeit ein gewisses monatliches Honorar bezahlen müssen, biete ich auch Turnworkshops an. So können Sportler, die für ihren Sport etwas turnerisches Erlernen wollen, mit mir stundenweise individuell oder als Gruppe trainieren. Eine jubelnde Cheerleaderin, die ihre erste Schraube rückwärts am Boden schafft oder die strahlenden Augen eines jungen Tanzmariechen, dass endlich einen Flick Flack geschafft hat, erfüllt mich ebenso mit Motivation und Stolz, wie, wenn einer meiner Turner ein Ziel erreicht. Doch wir müssen als Trainer endlich anfangen unsere eigene Arbeit mehr wertzuschätzen und dies auch finanziell einfordern. Selbstständig zu sein ist spannend, mit vielen Aufgaben verbunden und ja auch mit einem gewissen Risiko.

 

Trainer zu sein ist meine Leidenschaft, sowohl als Personal Trainer als auch im Kunstturnen. Meine Arbeit ist wertvoll. Dies ist mir bewusst- Denn ich bin Unternehmer.