Erkältung & Sport – Eine gefährliche Kombination?

Erkältung & Sport – Eine gefährliche Kombination?

Ja ja der Herbst rückt näher und die Schniefnasen draußen werden immer mehr und mehr. Auch mich hat es in diesem Jahr früh erwischt. Da lag ich vollkommen platt mit erhöhter Temperatur den ganzen Tag auf der Couch und war froh mich nicht mehr als nötig bewegen zu müssen. Gliederschmerzen, Halsschmerzen, Reizhusten und laufende Nase. Einmal alles bitte. Das Problem war nicht nur, dass ich meine Termine absagen musste, ich hatte auch das Problem, dass ich eigentlich mein eigenes Sportprogramm fortsetzen wollte. Seit einigen Wochen hatte ich wieder richtig meinen Rhythmus gefunden und erste körperliche Veränderungen machten sich bemerkbar. Auch meine mentale Einstellung war wieder um einiges besser. Doch in diesem Zustand Sport zu treiben wäre alles andere als vernünftig gewesen…

 

Eine Erkältung oder ein grippaler Infekt sind erst einmal sehr allgemein gehaltene Begrifflichkeiten unter denen sich verschiedenste Symptome zeigen können. In der Regel sind die oberen Atemwege (Nase, Nasennebenhöhle und Rachen) betroffen, aber auch die Bronchien der unteren Atemwege können mit involviert sein. Grundsätzlich wird eine Erkältung durch Viren ausgelöst und weitergegeben. Die allgemeinen Symptome einer Erkältung und eines grippalen Infektes sind:

  • Schnupfen und verstopfte Nase
  •  leichte Kopfschmerzen möglich
  • Halsschmerzen wahrscheinlich
  • Gliederschmerzen möglich
  • Fieber selten oder niedrig (unter 39°C)
  • Husten mit schleimigem Auswurf
  • Schwächegefühl

Die aufgelisteten Symptome treten dabei meist nicht alle zeitgleich und in gleicher Intensität auf, sondern kommen meist schleichend und beginnen mit einem der aufgelisteten Symptome. Bei mir z.B. sind es die Halsschmerzen. Ein alter Spruch im Volksmund besagt „Eine Erkältung kommt drei Tage, bleibt drei Tage und geht drei Tage.“ Und diese Aussage ist auch gar nicht weit weg von der Realität. In der Regel läuft eine Erkältung in Phasen ab. Zuerst hat man zwei bis drei Tage mit stärker werdenden Symptomen zu kämpfen, danach folgt eine kurze Plateauphase in der sich die Symptome halten und danach klingen die aufgetretene Symptome wieder ab. Daher ist eine Erkältungsdauer von eine bis zwei Wochen absolut normal. Natürlich ist die Stärke und die Dauer vom Virus und von dem Immunsystem des jeweiligen Betroffenen abhängig.

Sport und Immunsystem

Wenn man bei den möglichen Symptomen die Wörter, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen und Schwächegefühl liest, so sollte einem schon hier die Idee kommen, dass eine körperliche Betätigung im Sinne von Sport nicht gerade das ist, was der Körper nun benötigt. Doch führen wir uns einmal vor Augen was überhaupt „Sport treiben“ bzw. Ausdauersport für unser Immunsystem bedeutet.

 

Wenn wir hart trainieren, setzen wir unserem Körper physischem Stress aus. Unser Körper wird mit der Ausschüttung von Stresshormonen wie Adrenalin, Noradrenalin oder Cortisol reagieren, um uns auf die Belastung vorzubereiten. Diese Stresshormone drosseln die spezifische Immunabwehr. Beim Intensivtraining nahe an der Leistungsgrenze wird innerhalb kurzer Zeit die Anzahl unserer Immunzellen verdoppelt und sinkt innerhalb von drei Stunden unter das Ausgangsniveau. Erst nach 24 bis 48 Stunden hat sich der Spiegel wieder normalisiert. Dieses Phänomen nennt man auch „Open- Window- Effekt“. In dieser Zeit ist der Körper anfälliger für Krankheiten. Trainiert man in einem moderaten Bereich, so treten diese Effekte nicht ganz so stark auu. Das Training hat dann sogar einen positiven Effekt. Denn durch diese sanften Reize, die während moderatem Ausdauersport gesetzt werden, kommt es zu einem Trainingseffekt des Immunsystems: Potenziell schädliche Zellen werden effizienter beseitigt und auch die Lymphozyten sind aktiver. Häufige Infektionskrankheiten der Atemwege wie etwa Erkältungen, Entzündungen des Rachens und der Mandeln sind bei Freizeit-Sportlern im Vergleich zu Untrainierten deutlich seltener. Da sich die Killerzellen vermehren, können diese schneller auf Krankheitserreger oder auch Krebszellen reagieren.

 

Also ähnlich wie beim einem Krafttraining die Muskelzellen „gereizt“ werden, so wird beim Ausdauertraining im moderaten Bereich auch das Immunsystem positiv „gereizt“. Doch genau das ist bei einer Erkältung das Problem. Unser ganzes Immunsystem ist bei dem Eintritt von Erkältungsviren nun gefordert diese zu bekämpfen und an den Stellen, wo wir die Symptome spüren, mit voller Macht zurückzuschlagen. Doch nun entschließen wir uns in der Zeit des Kampfes zwischen Immunsystem und Viren die Sportschuhe anzuziehen und uns körperlich zu verausgaben. Was passiert? Unser schon voll aktives Immunsystem wird durch die sportliche Betätigung gefordert und gereizt. Ja, die Immunzellen nehmen vielleicht sogar ein stückweit in der Anzahl ab. Die Erkältungsviren haben nun einen nicht mehr so starken Gegner vor sich und können fast ungehindert ihrer Arbeit nachgehen uns noch kränker machen. Folge?

 

Unsere Symptome werden schlimmer und möglicherweise liegen wir nun richtig flach. Zudem sind wir nun vor weiteren eintretenden Viren ebenfalls schlechter geschützt. Eine Verschleppung der Erkältungsviren kann sogar bis zur gefürchteten Herzmuskelentzündung, Myokarditis, führen. Das tückische daran. Die Symptome sind oft nicht so eindeutig erkennbar, aber die Folgen können dramatisch sein. Und ist so eine Myokarditis erst einmal erkannt, wird die sportabstinente Zeit auf jedenfall um ein deutliches länger sein als es die eigentliche Erkältung gefordert hätte.

Also wie und wann darf ich denn nun wieder Sport trieben und mich bewegen?

Grundsätzlich gilt – Wer eine Erkältung, einen grippalen Infekt oder eine echte Grippe hat, macht keinen Sport. Punkt. Ein wenig davon abzugrenzen ist ganz leichte moderate Bewegung, wie zum Beispiel leichte Spaziergänge, wenn keine körperliche Schwäche oder Fieber vorliegen. Vitamin D tanken und die Schleimhäute ein wenig zu durchbluten ist daher absolut nicht verkehrt. Im Zweifel ist dies aber mit dem Hausarzt abzuklären.

 

Ganz allgemein sollten alle Erkältungszeichen verschwunden sein. Dies kann bei einem grippalen Effekt, bei dem auch Fieber mit einher ging, auch etwas länger sein. Bei letzterem kann eine zusätzliche Pause von intensiven Bewegungen durchaus hilfreich sein. Der Einstieg in den Sport sollte dann ebenfalls anteigend und moderat erfolgen. Das Immunsystem und den Körper nach der Schwächephase langsam an die Belastung wieder zu gewöhnen kann hilfreich sein um wieder besser in den Rhythmus zu finden. Sollte man sich unsicher sein, so kann hier das Gespräch mit dem Arzt oder Trainer Hilfe bringen.

Was ist eigentlich mit dem Phänomen „Erkältung durch Kälte“?

Jeder kennt es wahrscheinlich noch zu gut, wenn die Mutter einen animierte sich wärmer anzuziehen, damit man sich nicht verkühlt und sich dadurch keine Erkältung einfängt. Doch wird man Krank durch Kälte? Die klare Antwort – Jein. Denn die Kälte selber löst keine Erkrankung aus. Denn für eine Krankheit braucht es auch immer noch einen Erreger. Vielmehr ist es so, dass die Kälte dazu führt Viren ein „Open- Window“ zu eröffnen. Ähnlich wie bei der Bewegung, nur ohne Belastung eben. Unser Körper ist immer bemüht unsere Körpertemperatur konstant zu halten. Bei kalten Temperaturen verengt der Körper die Blutgefäße (speziell in der Peripherie) und die Durchblutung wird gemindert. Die lebenswichtigen Organe werden so geschützt und weiterhin ausreichend durchblutet, aber zum Beispiel die Schleimhäute in der Nase leiden darunter und werden weniger durchblutet. Das ist die Chance für Viren in den Organismus einzudringen und eine Erkältung auszulösen.

 

Neben der Kälte (im Winter) wird in der Wissenschaft auch die geringe Sonneneinstrahlung im Winter diskutiert. Dadurch tankt der Körper bekanntlich weniger Vitamin D, was sich wiederrum negativ auf das Immunsystem auswirken kann. Ob ein zu geringer Vitamin D- Spiegel vorliegt und ob eine Nahrungsergänzung sinnhaft wäre, sollte mit dem Hausarzt abgesprochen und eventuell mit einem entsprechenden Bluttest untersucht werden.