Schwingende Entspannung im Personal Training

Schwingende Entspannung im PT

Der Hyperice Hypervolt im Muskelfuchs- Test

Wenn man als Trainer arbeitet, sowohl im Leistungssport wie auch im Personal Training, steht man häufiger vor der Frage welche Methoden man zur Regeneration und Entspannung anwenden kann. Dehnübungen, Mobility, Entspannungstechniken etc. sind die gängige Praxis. Doch selbst als Physiotherapeut und Sportwissenschaftler bin ich immer wieder auf der Suche, wie ich meine Klienten und Sportler auch über andere regenerative Möglichkeiten erreichen kann. Darüber hinaus ist es zudem hilfreich, wenn nicht nur die Regeneration und Entspannung im Fokus stehen, sondern auch gezielte Behandlungen möglich wären.
Über bekanntere Sportler, Personal Trainer- Facebookgruppen und persönlichen Gesprächen bin ich immer wieder auf den Hyperice Hypervolt gestoßen. Ein Vibrationsmassage Tool das ganz kabellos funktioniert und viele Effekte und Anwendungsmöglichkeiten verspricht. Kurzerhand war mir klar, dass ich dieses Ding testen will. Ich bin sehr dankbar, dass die Firma K-active so freundlich war mir den Hypervolt für diese Testphase zur Verfügung zu stellen und ebenfalls sehr an meinem Test interessiert ist.

 Schon nach kurzer Zeit hatte ich das Gerät zu Hause. Was habe ich im Paket vorgefunden. Natürlich den Hypervolt selbst, fünf Aufsätze, ein Netzkabel und eine kurze Bedienungsanleitung. Was leider fehlte war eine Art „Bedienungsanleitung für die Anwendung“. Hier scheint man von davon auszugehen, dass der Käufer anatomisches Wissen mitbringt und auch weiß wie und wofür die Aufsätze Anwendung finden sollen. Aber nun gut… Entsprechendes Wissen traue ich mir zu.

 

Nach dem Aufladen ging es dann an den Test bei meinen Klienten. Doch bevor ich auf deren Aussagen und Reaktionen eingehen möchte, schauen wir uns doch erst einmal die versprochenen Wirkweisen und Indikationen an und wie ich dazu stehe.

 

 

Angegebene Wirkweisen des Hypervolts - Kritische Betrachtung

Gelenkbeweglichkeit steigern

 

Relaxierend - fördert die muskuläre Regenerationsfähigkeit (bspw. nach dem Sport oder Training)

 

Durchblutungsfördernd

 

Prophylaxe - Vorbeugen von Sportverletzungen

 

Schmerzlindernd

 

Tonisierend - Leistungsfähigkeit der Muskeln steigern bspw. für Wettkämpfe

 

Was definitiv eine schöne Reaktion ist, ist die Durchblutungsfördernde Wirkung bei bzw. nach der Anwendung mit dem Hypervolt. Bei klassischen Verspannungen, wie sie ein Großteil meiner Klienten kennen, ist es eine wohltat nach der Behandlung gewesen. Durch die kontinuierlichen Vibrationen, die das Gerät in drei Stufen erzeugen kann, wird die Muskulatur durchblutet und kann wieder besser entspannen und „loslassen“.  Aber dieser Effekt kann nicht nur bei Verspannung beobachtet werden, sondern auch nach der Behandlung von beanspruchter Muskulatur zum Beispiel nach einer sportlichen Trainingseinheit. Tritt eine erhöhte Durchblutung ein, so ist auch eine verbesserte Regeneration gewährleistet, da Abfallstoffe somit auch schneller aus der entsprechenden Muskulatur transportiert werden können. Vorsicht ist jedoch bei sportlichen Verletzungen geboten, doch dazu später mehr. Trotzdem kann der Punkt der Schmerzlinderung schon einmal aufgegriffen werden. Sicherlich ist es bekannt, dass klassische Massagetechniken Schmerzen lösen können. Doch die Frage ist, wie lange hält dieser Effekt an. Und genau die gleiche Frage stellt sich hier auch. Bestimmt führt eine Mehrdurchblutung zu einer Reduktion der Schmerzen, doch wenn ich die Ursache nicht bekämpfe, werden die Schmerzen kurzerhand wieder auftreten. Um einen tonisierenden Effekt herzustellen, ist es erforderlich die Anwendung zu Beschleunigen um die Muskulatur zu aktivieren. Ob das letztendlich zu einer Steigerung der Leistungsfähigkeit führt, da bin ich skeptisch. Andere Möglichkeiten der Aktivierung vor einem Wettkampf würde ich hier vorziehen.

 

Die beiden verbleibenden Punkte „Steigerung der Gelenkbeweglichkeit“ und „Prophylaxe“ stehe ich ebenfalls kritisch gegenüber. Eine Verletzungsprophylaxe zu gewährleisten rein aus der Anwendung eines Vibrationsgerätes scheint mir derweil sehr weit hergeholt. Zur Aktivierung der Muskulatur vor einer sportlichen Belastung zählt nicht nur die reine Durchblutung durch passive Maßnahmen. Ein Aufwärmen sollte auch das Herzkreislaufsystem in Gang setzen, das Nervensystem vorbereiten und die Muskulatur mittels aktivierenden Bewegungen auf Betriebstemperatur bringen. Desweiteren ist über die Anwendung des Hypervolt fraglich inwieweit die Gelenke auf eine Belastung vorbereitet werden. Denn die versprochene Steigerung der Gelenkbeweglichkeit ist wohl eher ein sekundärer Effekt, der dadurch eintritt, dass die Muskulatur durch die Anwendung entspannt und in ihrem Tonus gemindert wurde. Doch dies wiederrum spricht gegen eine Aktivierung.

 

Zusammengefasst ist die Wirksamkeit des Hypervolt schon sehr gut, solange der Fokus und Zielsetzung richtig gesetzt sind. Viele angesprochene Wirkweisen ergeben sich eher durch die Erhöhung der Durchblutung und sind daher eher ein sekundärer Effekt. Andere angesprochene Effekte halte ich eher für fragwürdig.

 

Doch neben diesen Effekten wird auch häufiger in der Anwendung bei Verletzungen eingegangen:

 

Kann helfen Muskelkater, Muskelsteifheit und Muskelschmerzen zu lindern

Kann die Heilung von Muskelverletzungen beschleunigen

 

Hier ist meiner Meinung nach Vorsicht geboten. Eine verletzte Struktur mit max. 3.200 Schlägen pro Minute zu „behandeln“ halte ich für fragwürdig. Bei Muskelzerrungen, Muskelfaserrissen oder Schlimmeren sollten andere physikalische und medizinische Behandlungstechnik im Vordergrund stehen. Bei diesen Verletzungen kann es zu Einblutungen kommen, die durch eine Anwendung des Hypervolts verstärkt werden könnten. Außerdem ist zu hinterfragen ob ein Klient überhaupt eine Vibrationsmassage an der verletzten Struktur tolerieren würde. Anders sieht es aus, wenn die verletzte Struktur verheilt ist und man punktuelle Verklebungen (Adhäsionen) lösen möchte. Auch bei einem Muskelkater muss die Anwendung in Rücksprache mit dem Klienten erfolgen und sollte ohne Schmerzreiz einhergehen.

 

Meinungen meiner Klienten

In meinem Test mit dem Hypervolt haben meine Klienten keine akuten Verletzungen gehabt und ich hätte hier eine Anwendung ausgeschlossen. Wie der obere Abschnitt erahnen lässt, habe ich das Gerät auch hauptsächlich am Ende einer Trainingseinheit angewandt. Die Zielsetzung war ganz klar: Cool Down und Entspannung. Folgende Aussagen meiner Klienten habe ich einmal gesammelt:

 

„Während der Anwendung merkt man schon deutlich, wo die Verspannungen sitzen, aber im Anschluss fühlt sich die Muskulatur lockerer an. Dort, wo das Gerät genutzt wurde, entsteht auch ein leichtes Kribbeln.“

 

„Die Lautstärke des Gerätes war okay. Doch da die Vibration so deutlich zu spüren war, konnte man sich schlecht unterhalten. Um so näher man mit dem Gerät zum Kopf kam, desto mehr merkte ich die Vibrationen im Gesicht und Hals. Das war für mich nicht so schön, aber an anderen Bereichen war es sehr entspannend.“

 

„Das ist eine schöne Variante um nach dem Training und von dem langen Tag zu entspannen. Ich empfand die höheren Stufen sogar etwas angenehmer als die erste Stufe.“

 

„Meine Verspannungen im Schulter- Bereich waren eine ganze Zeit danach besser und es fühlte sich wärmer an.“

 

Meine praktische Erfahrung - Ausprobieren & Testen ist angesagt

Ich habe für die Anwendung auch alle fünf Aufsetze getestet. Je nach Körperbereich waren die verschiedenen Aufsetze auch sehr gut zu nutzen. Ein wenig ausprobieren musste ich es allerdings schon, da keine Hilfestellung im Lieferumfang enthalten war, die zumindest eine Idee vermittelt, wann welcher Aufsatz günstig wäre. Die Anwendung selbst ist sehr einfach, jedoch mit kleinen Abstrichen. Die Einstellung der drei Stufen ist über einen zentralen Knopf sehr einfach. Es ist allerdings ein wenig lästig zwischen den Stufen wechseln zu wollen, da man immer alle drei Stufen „durchklicken“ muss und auch das Gerät nach Stufe drei ausgeht und man ein paar Sekunden warten muss um es wieder einschalten zu können.

 

In der praktischen Anwendung am Klienten gab es keinerlei Probleme, da mir die Anatomie und Muskelverläufe bekannt waren. An prägnanten Knochenpunkten und Gelenken ist Vorsicht geboten, da eine Anwendung auf diesen festen Strukturen zuweilen unangenehm sein kann. Beispielweise ist eine Anwendung auf den Dornfortsätzen der Wirbelsäule eher kontraproduktiv. So kann es passieren je nach Festigkeit der zu behandelnden Struktur und dem eingesetzten Behandlungswinkel des Gerätes, dass der Hypervolt beginnt „zu springen“. Dies ist auch zu vermeiden, da dieses holpern unangenehm ist. Eine Anpassung des Behandlungswinkels und des Behandlungsbereiches ist also immer und fortlaufend zu beachten. Was sehr schade ist, dass eine Anwendung ab ca. dem 7 Halswirbel und dann weiter Richtung Kopf/ Kopfgelenke kaum möglich ist. Alle Klienten gaben an, dass das zu unangenehm ist, weil die Vibrationen zu stark auch auf das Gesicht übergehen würde und eine Entspannung kaum möglich wäre. Speziell dort im Nackenbereich / HWS- Bereich haben viele Menschen Probleme und eine Anwendung dort wäre eigentlich optimal. Doch ich habe ja noch mein Fingerspitzengefühl als Therapeut und von daher kann ich dort auch noch händisch Abhilfe schaffen.

 

Am einfachsten ist die Anwendung an großen Muskel, wie zum Beispiel am Oberschenkel. Hier können auch die größeren, festen Aufsätze sehr gut genutzt werden. Meine persönlichen Lieblingsaufsätze waren und sind der flexible, runde Aufsatz (links im Bild) und der „Bullet“ (ein einzelner, stiftförmiger Aufsatz, rechts im Bild). Der erstgenannte Aufsatz war für die meisten meiner Klienten der angenehmste, da er durch seine Form und seine Beschaffenheit etwas nachgibt und Druck des Behandlers etwas auffängt. Zudem fällt es nicht so stark ins Gewicht, falls doch mal auf eine knöcherne Struktur rutschen sollte. Der Bullet ist hingegen schon um einiges Intensiver im Empfinden. Vorteil hier ganz klar: Der punktuelle Einsatz auf Triggerpunkten. Wichtig ist aber die klare Unterscheidung zwischen Triggerpunkten und Myogelosen (punktuelle Verdickung eines Muskels) zu knöchernen Strukturen zu spüren und zu kennen.

 

Die anderen drei verbleibenden Aufsätze Gabel, Ball, Flachkopf (obere Reihe, Bild oben) haben auch ihre Daseinsberechtigung, es kommt ganz einfach auf das Einsatzgebiet und die Zielsetzung an. So eignete sich für mich die Gabel für den paravertebralen Einsatz, sprich entlang der Wirbelsäule. Denn durch die Gabelstruktur ergibt sich so zusagen eine „Schiene“, neben der Wirbelsäule ohne die Dornfortsätze zu treffen.

 

Mein Fazit - Die Zielsetzung bringt den Mehrwert

Als Personal Trainer bin ich Jemand, der eigentlich nicht so schnell „neue“ Gerätschaften und neues Trainingsequipment anschafft und in die Trainingsstunden einbaut. Meine Idee hinter meinem Training ist, dass Jeder viel für sich tun kann ohne komplexe Geräte anschaffen zu müssen. Bin ich jedoch manchmal natürlich daran interessiert ein paar neue Sachen zu testen und zu probieren. Beim Hyperice Hypervolt muss ich anerkennen, dass es speziell am Ende einer Trainingsstunden einen absoluten Mehrwert für meine Arbeit bietet. Es hilft beanspruchte Muskulatur in ihrem Tonus zu beeinflussen und damit für Entspannung zu sorgen. Die Anwendung des Hypervolt stellt eine schöne Möglichkeit dar den Übergang eines anspruchsvollen Trainings in eine entspannte Phase herzustellen. Bei einigen versprochen Wirkweisen und Indikationen denke ich jedoch, dass hier Vorsicht geboten sein sollte. (Muskuläre) Verletzungen jeglicher Art sollten vorher mit dem Arzt besprochen werden um eine weitere Schädigung zu vermeiden. Genau so sollte der Anwender sich im Vorfeld über die Möglichkeiten und die Anwendung des Gerätes schlau machen. Denn eine begleitende Info für den Anwender ist nicht enthalten und so ist man gezwungen selbst Nachforschungen anzutreten und sich zu informieren wie die einzelnen Aufsätze genutzt werden können. Am Ende entscheiden die Klienten wie gut der Hypervolt ist und hier kann ich mich dann nur für den Hyperice Hypervolt aussprechen, der zumindest bei meinen Klienten anklang gefunden hat. Ich werde das Gerät für meine Zwecke und Zielsetzungen definitiv weiter einsetzen und freue mich das Gerät von der Firma K- Active Europe hierfür weiterhin nutzen zu können.

Hier geht es direkt zum K- Active Onlineshop:

https://shop.k-active.com/

Dieser durchgeführte Test und seine Ergebnisse beruhen auf meinen eigenen Erfahrungen mit dem angesprochenen Gerät. Ich werde durch die Firma K-Active dafür nicht bezahlt. Dieser Test soll dazu dienen interessierten Käufern und Anwendern einen Eindruck zu vermitteln, wofür das Gerät genutzt werden kann. Für eine objektive Beurteilung sind wissenschaftliche Untersuchungen unumgänglich, desweiteren gilt es im Zweifelsfall eine Anwendung im Vorfeld mit einem Arzt abzuklären.